PATIENTENINTIATIVE
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Presseaussendungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wolf im Schafspelz?

Fruchtzucker wird zunehmend zum gesundheitlichen Problem.

 

foto_aussendung_02_16 Wien, 16. Februar 2016: Er galt lange Zeit als gesündere Alternative für Diabetiker und wurde ob seines Namens auch von Nicht-Diabetikern gerne als Zucker-Alternative genascht: Fruchtzucker. Nun mehren sich wissenschaftliche Stimmen, die vor einer übermäßigen Zufuhr aus mehreren Gründen warnen. Neben der Fruktose-Malabsorption, welche die Lebensqualität von Betroffenen enorm einschränkt, könnte die Fruktose das Risiko für nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankungen, Gicht und Adipositas erhöhen. Aus gegebenem Anlass lud die Patienteninitiative FruLak & Co hochkarätige Experten zu einer spannenden Diskussionsrunde.

 

Wer glaubt mit Smoothies, Fruktose gesüßten Wellnessgetränken oder Agavensirup seinem Körper etwas besonders Gutes zu tun, wird häufig eines Besseren belehrt. „Aus internationalen Studien wissen wir, dass bis zu 50 % der Bevölkerung Fruktose Mengen von über 25 g pro Portion (Anm.: entspricht z. B. 440g Apfel) nicht resorbieren können“, erläutert a. o. Univ. Prof. DI Dr. Harald Vogelsang, Leiter der Arbeitsgruppe für chronisch entzündliche Darmerkrankungen am AKH Wien. Angelika Widhalm von der Patienteninitiative FruLak&Co. hat täglich mit Betroffenen zu tun: "Von den mittlerweile 3000 registrierten Mitgliedern unserer Initiative haben 90 % ein Problem mit Fruktose. Diese haben bis zu ihrer Diagnose Fruktose-Malabsorption einen oft jahrelangen Leidensweg hinter sich.” So wird häufig zuerst Laktose oder einem vermeintlichen Reizdarm die Schuld für ständig wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall gegeben. Dabei könnte ein einfacher H2-Atem-Test sehr rasch Fruktose als Übeltäter für die belastenden Beschwerden entlarven.

 

Verdauungsmartyrium im Alltag 

Bei der Fruktose-Malabsorption (streng zu unterscheiden von der seltenen erblich bedingten Fruktose-Intoleranz) wird Fruchtzucker unzureichend vom Dünndarm ins Blut aufgenommen. Das menschliche Verdauungssystem hat sich scheinbar über Jahrtausende auf etwa 16-20 g Fruktose/Tag aus Obst, und Gemüse eingestellt. Das entspricht z. B. 3 kleinen Birnen. Daher ist bei vielen Menschen eine begrenzte Aufnahmekapazität von Fruktose vorprogrammiert: Der Überschuss wandert in den Dickdarm, wo die ansässigen Bakterien ihn als Futterquelle verstoffwechseln. „Ein Gesunder toleriert normalerweise bis zu 50 g Fruktose pro Mahlzeit (entspricht 600 ml Traubensaft) beschwerdefrei. Bei Menschen mit Fruktose-Malabsorption reagiert der Bauch bereits bei 1 bis 10 g pro Mahlzeit mit Symptomen“, erklärt die Innsbrucker Diätologin Edburg Edlinger. Blähungen, Bauchgeräusche und/oder Durchfall können die Folge sein. Angelika Widhalm bringt es auf den Punkt: „Unsere Patientinnen und Patienten leiden vor allem darunter, dass weder Gastronomie noch Handel auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Es ist für viele aufgrund der versteckten Fruktose in Smoothies, Erfrischungsgetränken, Fruchtjoghurts, Süßigkeiten und Desserts oft ein russisches Verdauungsroulette.

 

Saccharose schlägt Fruktose 

„Wird Fruktose gleichzeitig mit Glukose aufgenommen – wie das z. B. in Form von Haushaltszucker der Fall ist - kann der Fruchtzucker effizienter ins Blut geschleust werden““, sagt Edlinger. In der Folge gelangt weniger Fruktose in den Dickdarm, wo sie die genannten Beschwerden auslösen kann. Deshalb wird Saccharose (besteht zu gleichen Teilen aus Glukose und Fruktose) von Personen mit Fruktose-Malabsorption gut vertragen.

 

Allergenkennzeichnung frei von Fruktose 

Fakt ist, dass im Zuge der nunmehr verpflichtenden Allergenkennzeichnung auf Fruktose scheinbar vergessen bzw. dieser von Seiten der Behörde nicht die nötige Bedeutung geschenkt wurde. Angelika Widhalm sieht das kritisch: „Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Bezeichnungen, haben meine Patienten speziell bei den klein gedruckten Zutatenlisten oft Mühe, ein Produkt als Fruktosequelle zu identifizieren. In der Nährwerttabelle wird zudem nicht zwischen Fruktose, Saccharose oder Glukose unterschieden. Eine verpflichtende Angabe auch von Fruktose wäre sehr hilfreich gewesen." Fruktose versteckt sind in fertigen Produkten u. a. hinter folgenden Begriffen: Fruchtsüße, Maissirup, Invertzucker, Inulin sowie sämtliche Bezeichnungen mit dem Wort ‚Fruktose‘. Je weiter vorne in der Zutatenliste einer der Begriffe vorkommt, desto mehr davon ist enthalten.

 

Die zwei völlig verschiedenen Krankheitsbilder der Fruktose-Unverträglichkeit 

 

 

Fruktose kann möglicherweise Übergewicht und das metabolische Syndrom fördern 

Mittlerweile mehren sich Studienergebnisse, die noch weitere dunkle Schatten über das strahlende Licht des vermeintlich natürlichen Zuckers werfen. Denn er scheint das Freisetzen jener Hormone zu beeinflussen, die Hunger und Sättigung regulieren. Dadurch trage er Mitschuld an vermehrtem Appetit, gesteigerter Energieaufnahme und damit letztlich Übergewicht. Prof. Vogelsang betont: „Eine langfristig zusätzliche hohe Fruktosezufuhr könnte zusätzlich deshalb gesundheitlich besonders nachteilig sein, weil sie das sogenannte viszerale Fett, also das sehr stoffwechselaktive innere Bauchfett vermehrt.“ Dieses wird als eigenständiger Risikofaktor für das gefürchtete metabolische Syndrom und dessen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen.

 

Nicht-alkoholische Fettleber als neue Zivilisationskrankheit 

Mittlerweile ist Fettleber die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit, von der in Österreich bis zu 25 % aller Erwachsenen betroffen sind. Im Osten mehr als im Westen. Einige Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der langfristig erhöhten Fruktosezufuhr und der nicht-alkohol­ischen Fettleber. Über die Kausalität wird in der wissenschaftlichen Community noch kontrovers diskutiert. „Die hohe Prävalenzzahl mahnt uns, dieser Erkrankung, die letztlich auch zu Leberzirrhose und Leberkarzinom führen kann, mehr Aufmerksamkeit zu schenken“, betont Assoz. Prof. Priv. Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch von der Leberambulanz des AKH Wien und ergänzt: „ Die Präventionsmaßnahmen bei nicht-alkoholischer Fettleber sind jenen beim metabolischen Syndrom sehr ähnlich: mehr Bewegung, fettärmeres Essen, Gewichtsreduktion. Die aktuellen Leitlinien empfehlen zudem dem Verzicht auf fruktose-gesüßte Speisen und Getränke, insbesondere in Form von Snacks.“

 

Fazit  

Nach heutigem Stand der Wissenschaft wird eine möglichst geringe Zufuhr (max. 25-40 g/d, entsprechend 400-600 ml Apfelsaft) empfohlen, da die Nachteile einer isolierten Fruktoseaufnahme langfristig überwiegen könnten. Der vergleichsweise kleine Fruktose-Anteil in Früchten soll aber Menschen ohne Fruktose-Malabsorption nicht davon abhalten, weiterhin zwei Obstrationen täglich zu essen. Besser wirft man einen genauen Blick auf das Etikett von gesüßten Produkten. Denn in diesen lauern weit größere Fruchtzuckermengen als in Apfel, Birne und Co.

 

 

Rückfragen & Kontakt:

FruLak & Co

Angelika Widhalm

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